17. Mai 2024

Kraftstoff-Roulette oder Achtsamkeit an der Tanke

Ich öffne die Autotür und
ein Boot und der Himmel
lachen  mich an.

Es war kalt gewesen
in der Nacht.
Im Laderaum
eines Lieferwagens
schläft es sich mäßig gut
ohne Kuschel-Kissen oder Decke,
während der Wind durch
die Türschlitze pfeift.

Immerhin der Boden
hat Auslegeware,
trocken und geräumig,
es hätte mich schlimmer
treffen können.

Ich traue meinen Augen nicht,
da kommt der nette Mann
vom ADAC
und bringt mir einen Kaffee,
quasi ans Bett …
ist das liebenswert aufmerksam…

Gestern Abend,
es war schon fast Mitternacht,
wollte ich kurz vor Ziel
nochmal volltanken.
Acht Stunden auf der Autobahn,
halbe Wegstrecke in Baustellen
und gefühlt 80 % einspurig …
ich war geschlaucht,
noch 40 Minuten bis zum Ziel.

Ich stehe an der
Tankstellen-Kasse
zahle bar und denke noch
meine Güte, ist das heute teuer.

Ich fahre los und es rumpelt
und der Wagen zieht nicht.
Schlagartig schießt mir
der Grund in den Kopf.
Ich stoppe ruckartig,
mache den Motor aus.
Bin unter Schock.
Falsch getankt.
Deshalb war es so teuer.
Ich Idiotin hab Benzin getankt.

Ich renne zurück zur Tankstelle.
„oje, hier ist keiner mehr,
die sind schon zuhause.“
Da geht nur ADAC.
Die Hotline teilt mir mit,
Überlastung wegen Reiseverkehr,
ich soll die Webseite nutzen.

Da kommt eine Gruppe
Jugendlicher auf mich zu.
„Sie müssen runter von der Straße
und Warnblinker einschalten.“
So aufmerksame Menschen.

Ich erzähle von meinem
strunzdummen „Tankroulette“
und sie sagen,
wir schieben sie erstmal
auf den Randstreifen.

„Habt ihr Kontakt
zu Automechanikern
in der Familie vielleicht?“
Ich suche nach Strohhalmen.

„Tatsächlich nicht,
viel Glück noch“
rufen mir zwei zu
und  ziehen mit ihrer Truppe
fröhlich weiter.

Und ich hab Glück,
da meldet sich die Stimme vom ADAC,
„wie kann ich helfen …“
Das kann dauern,
heißt es,
minimum 90 Minuten.

Von wegen,
nach 5 Minuten kam
ein supernetter Herr
mit Abschlepper.
„Sie haben Glück,
ich wollte gerade
in den Feierabend.
Sie können im Fahrzeug übernachten.
Hab ich mit dem Chef abgeklärt.“

Gesagt getan und zum Zudecken
fand ich noch zwei Müllsäcke
im Laderaum.
Mal schauen,
wie sich sowas anfühlt.

Das Ergebnis von Unachtsamkeit.

So und jetzt mal schauen,
wie lange es dauert,
ich bete,
dass ich noch rechtzeitig zum
Termin komme und bitte
nicht so teuer …

Ich lerne,
ich brauche mehr Achtsamkeit,
besonders beim Tanken!

Ich muss dringend
ein Wörtchen mit meinem
Unterbewusstsein reden.

Und ich habe erfahren,
wie wunderbar und
hilfsbereit meine
Mitmenschen sind.

Während ich meine
Mails gecheckt habe,
wurde meinem Fahrzeug
der „Magen“ ausgepumpt und die
Leitungen gespült.
Alles soweit wieder vital!
Top Werkstatt!!

„Sie sind nicht die Einzige
mit so einem Malheur,
was hier passiert
mit den Wohnmobilen,
fragen Sie nicht …

Ich stelle fest:
In jedem Unglück steckt
auch ganz viel Glück!

Und jetzt zum Termin,
vorher tanken,
mit Achtsamkeit, logisch!

© Manuela Engel-Dahan